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Katharina Fegebank: Wie Katharina Fegebank es allen recht machen will


Félice Gritti
© Maria Feck

Liebe Leserin, lieber Leser,

vermutlich war das gestern kein allzu
gemütlicher Termin für Peter Tschentscher. Fridays for Future Hamburg hatte den
Bürgermeister zur Diskussion ins Knust geladen, Motto: “Jetzt mal Butter bei
die Fische, Herr Bürgermeister.” Mein Kollege Frank Drieschner, der die
Veranstaltung moderierte, berichtete mir im Anschluss von einer “sehr
freundlichen Atmosphäre” – die aber offenbar nicht darüber hinwegtäuschen
konnte, was man bereits ahnte: Freundliche Diskussionen reichen nicht, um die
Gräben zuzuschütten, die zwischen Klimaschutzbewegung und Politik verlaufen.

Und so twitterten die Aktivisten dann
auch nach der Veranstaltung: “Wir fordern vom neuen Senat konsequente
Klimagerechtigkeit. Dafür reichen weder leere Versprechungen noch der
Klimaplan.” Nun könnte man auf die Idee kommen, dass die jungen Leute dann wohl
alle Grün wählen werden. Aber erstens sollte man mit jeder Art von Wahlprognose
vorsichtig sein – und zweitens hat auch Katharina Fegebank es bei den
Vertretern von Fridays for Future alles andere als leicht, wie
ZEIT:Hamburg-Ressortleiter Marc Widmann in seinem Porträt der
Grünen-Spitzenkandidatin schreibt. Sie finden den Text beim Thema des Tages, so
viel sei verraten: Katharina Fegebank hat es offenbar generell nicht ganz
leicht im Wahlkampf.

Mit dieser Ausgabe der Elbvertiefung
verabschiede ich mich von Ihnen. Hat Spaß gemacht! Sie werden auch künftig von
mir lesen, dann aber an anderer Stelle.

Ich wünsche Ihnen einen guten
Wochenstart!

Ihr Félice Gritti

Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen,
wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail
an hamburg@zeit.de

WAS HEUTE WICHTIG IST



© moka-studio

Ähnlich
wie die Grünen möchte nun auch die SPD den Autoverkehr in der Innenstadt zurückdrängen, Parkplätze
aufgeben und so mehr Platz für Fußgänger gewinnen. Es gehe darum, “die
Innenstadt attraktiver zu machen und zugleich dafür zu sorgen, dass sie gut
erreichbar bleibt”, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher bei der Vorstellung
der Pläne am Freitag. Dem Konzept zufolge soll unter anderem der Jungfernstieg
für den privaten Autoverkehr gesperrt werden. Die angrenzenden Straßen Neuer
Wall und Große Bleichen will die SPD zeitweise zu Fußgängerzonen machen. Einen
Überblick über die Ideen finden Sie hier.

Das Orkantief “Sabine” hat gestern zu
Verkehrseinschränkungen geführt. Am Flughafen wurden schon infolge der
Sturmwarnung zahlreiche Flüge gestrichen, vor allem die Inlandsverbindungen der
Lufthansa sowie von Eurowings. Für den heutigen Montag
sind jeweils mehr als 40 Ankünfte und Abflüge gestrichen, wie der Flughafen
gestern Abend auf seiner Internetseite ankündigte. Weitere Streichungen und
Verspätungen könnten demnach hinzukommen.
Auch die Bahn strich bereits gestern Mittag mehrere Zugverbindungen von und
nach Hamburg, bevor der Fernverkehr am Nachmittag bundesweit komplett
eingestellt wurde. Aufgrund umgestürzter Bäume kam es zu mehreren Unterbrechungen
und Verspätungen im U-Bahn-Verkehr. In Blankenese stürzte ein Baum auf ein
Einfamilienhaus, verletzte aber niemanden. In Pinneberg
wurden etwa 120 Menschen evakuiert, weil ein Kran umzukippen drohte. Die Hamburger Feuerwehr rückte bis 20 Uhr zu mehr als 200
Einsätzen aus, es gab bis dahin zwei Leichtverletzte. Die aktuellen
Entwicklungen können
Sie auf ZEIT ONLINE verfolgen
.

Mit
mehr politischer Bildung für berufstätige Erwachsene will die CDU gegen Fake News und Verschwörungstheorien im
Netz vorgehen. Der Senat möge ein entsprechendes Konzept erarbeiten, fordert
die Fraktion in einem Antrag für die Bürgerschaftssitzung am Mittwoch. Nicht
nur die Verfasser, auch die Verbreiter von Verschwörungstheorien beteiligten
sich, “wenn teilweise auch unbewusst”, an der Spaltung der Gesellschaft, sagte
die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Franziska Rath. Politische Bildung könne
“immun gegen den Virus der Desinformation” machen. In
Hamburg aber ziele die politische Bildung vor allem auf Jugendliche.

In aller Kürze

Nach rund fünfjähriger
Planung soll voraussichtlich im März die Sanierung des Bismarck-Denkmals
beginnen, die nach Senatsangaben knapp 9 Millionen Euro kosten wird • Die Damen
des Clubs an der Alster haben erneut die deutsche Meisterschaft im Hallenhockey
gewonnen • Die Bezirksämter starten heute eine Imagekampagne zur
Personalgewinnung • Bei der kontrollierten Pyro-Show vor dem 2:0-Heimsieg des
HSV gegen den Karlsruher SC haben sich die Fans an die Regeln gehalten: “Das
war ein erster guter Schritt”, sagte HSV-Chef Bernd Hoffmann • Die Löwin
Carbora aus dem Tierpark Hagenbeck ist nach einer Operation verstorben • In der
Innenstadt demonstrierten am Freitagabend nach Polizeiangaben etwa 1000
Menschen unter dem Motto “Kein Fußbreit! Gemeinsam gegen Faschismus”

THEMA DES TAGES



© Vera Tammen für DIE ZEIT

Katharina Fegebank: Den einen zu
konservativ, den anderen zu radikal

Katharina Fegebank, Spitzenkandidatin
der Grünen, sieht sich selbst als Brückenbauerin. Im Wahlkampf aber macht sie
eine ernüchternde Erfahrung: Mit jedem Meter, den sie auf die konservativen
Hamburger zugeht, verliert sie im progressiven Lager an Zuspruch. Marc Widmann,
Ressortleiter der ZEIT:Hamburg, hat Fegebank für die aktuelle Ausgabe der ZEIT
porträtiert. Lesen Sie hier einen Auszug seines Textes.

Katharina, die Herzliche.
So wirkt sie auf Beobachter, und so wird sie beschrieben. In Sitzungen, heißt
es, bemühe sich Katharina Fegebank um Harmonie, nie werde sie laut. Sie doziere
selten, sondern frage: Wie sehen Sie das denn? Auf der Straße wird sie von
fremden Frauen umarmt, sie wünschen ihr Glück. Katharina Fegebank ist seit fast
fünf Jahren Zweite Bürgermeisterin in Hamburg, und ihre Beliebtheit rührte
eigentlich daher, dass sie mit allen gut auskommen konnte, so glaubte es
Fegebank selbst. Doch jetzt, im Wahlkampf um Hamburgs Rathaus, macht die
42-Jährige plötzlich die Erfahrung, es niemandem mehr recht machen zu können.

Dass Fegebank am 23.
Februar Erste Bürgermeisterin werden könnte, als erste grüne Frau an der Spitze
des Stadtstaats (nach 199 oft sozialdemokratischen Männern), ist durchaus
realistisch. Die Grünen könnten bei der Bürgerschaftswahl ihr Ergebnis von 2015
mehr als verdoppeln: Mit zuletzt zwischen 27 und 29 Prozentpunkten liegen sie
in den Umfragen fast gleichauf mit der SPD, die aktuell den Regierungschef
stellt.

Doch je näher Fegebanks
Sieg rückt, desto stärker wird sie mit Widersprüchen konfrontiert. Die Kritik
kommt von Klimaschützern ebenso wie vom Besitzbürgertum, und alle Ansprüche auf
einmal lassen sich kaum erfüllen. Es ist das Dilemma, vor dem die Grünen immer
stehen, wenn sie nicht bloß Oppositionspolitik für die eigene Klientel
betreiben, sondern an der Spitze regieren sollen. Vielen Progressiven erscheint
Fegebank nicht radikal genug. Für viele Konservative aber ist sie genau das
Gegenteil: zu radikal.

Wie Katharina Fegebank es beiden
Seiten recht zu machen versucht und was ihr Elternhaus damit zu tun hat,
lesen Sie in der kompletten Fassung des Textes auf ZEIT ONLINE.

DER SATZ



© NDR/​ARD

“Wir
erzählen, dass es zur Versöhnung kommt. Dass man seine Schuld einsieht. Dass
die Konflikte gelöst werden dadurch, dass Menschen aufeinander zugehen. Ich
glaube, dass das ›Großstadtrevier‹ von einem Bedürfnis nach Konsens getrieben
ist.”

Norbert Eberlein, Drehbuchautor

28
Jahre lang spielte Jan Fedder den Polizisten Dirk Matthies im
“Großstadtrevier”. Vor sechs Wochen verstarb der Schauspieler, seine letzten
Auftritte in der Vorabendserie sind derzeit im Ersten zu sehen, und wenn die
aktuelle Staffel im März zu Ende geht, werden es 447 Folgen sein, die seit 1986
ausgestrahlt wurden. Von Anfang an machte das “Großstadtrevier” einen großen
Spagat, betrieb einerseits Kiez-Folklore, versuchte sich andererseits an der
Abbildung der Wirklichkeit, mit all ihrem Elend und all ihrer Härte. Genau
darin liegt die große Stärke des Formats, glaubt Xaver von Cranach – oder
sollte man besser sagen: lag? Für die aktuelle Ausgabe der ZEIT:Hamburg hat
unser Autor mehr als 20 Folgen geschaut und den Geheimnissen nachgespürt, die
den Erfolg der Kultserie ausmachen. Eine Erkenntnis: All die Versöhnung, all
das Aufeinander-Zugehen haben das “Großstadtrevier” nicht unbedingt besser
gemacht.

Warum
das “Großstadtrevier” trotzdem noch immer “ein wunderbar sentimentales
Sehvergnügen” sein kann, lesen Sie in der kompletten Fassung des Textes auf
ZEIT ONLINE. (Z+)
 

WAS SIE HEUTE ERLEBEN KÖNNEN

Debatte:
Wie geht es nach der Bürgerschaftswahl weiter mit
lokalen Verkehrsproblemen? Vortrag und Diskussion: “Stau in der Hamburger
Innenstadt”.

Zentralbibliothek, Ebene 1, Hühnerposten 1, heute, 18–20 Uhr, Eintritt frei

Konzert:
Seifenblasen, rosa Haar und Post-Punk: “Gender
Roles” aus Brighton verwischen Grenzen zwischen Mann und Frau.

Molotow, Nobistor 14, heute, 19 Uhr, 14 Euro

Seminar:
Mit der Natur, für die Natur: Im Seminar
“Bienenkorbbinden – Der Lüneburger Stülper” entstehen traditionelle Körbe der
Heideimkerei.

Gut
Karlshöhe
, Karlshöhe 60d, So, 16.2., 10–18 Uhr, 50
Euro, Anmeldung unter winfried.knaack@gmx.de

Theater:
Jede Gewissheit verwickelt sich auf der Folgeseite
in groteske Widersprüche: Premiere von Kafkas “Das Schloss”.

Deutsches
Schauspielhaus
, Kirchenallee 39, Premiere am
22.2., 19.30 Uhr, ab 15 Euro

Verlosung: HUMAN.X ist das diesjährige Motto der
Social Media Week Hamburg. Privatsphäre, Aufmerksamkeit, emotionale Online-Dynamiken:
In einem dreitägigen Konferenz- und Workshop-Programm geht es um das digitale
Marketing. Wir verlosen 2x ein Standard-Ticket im Wert von je 59 Euro und 2x
einen Premium-Pass im Wert von 299 Euro für die Social Media Week Hamburg vom 24. bis
28. Februar 2020. Senden Sie uns bis morgen 12 Uhr eine E-Mail mit dem Betreff
“#SMWHH2020” an hamburg@zeit.de.
Viel Glück!

MAHLZEIT

Im Ginn
verarbeiten sie platonische Ideen. Auf der Karte des 2019 eröffneten
Hotelrestaurants stehen “Der Käse”, “Die Fjord-Forelle”, “Das Bio-Ei” – so, als
wäre jedes zuvor gegessene Ei nur ein Abklatsch des Originals, wie man es hier
kosten kann. Und wirklich macht der Küchenchef Marcel Höppner eine Menge aus
seinen meist gut eingekauften Produkten – französische Küche mit norddeutschem
Akzent. “Der Aal” mit Bohnen, Haferwurzel, Birnenpüree und einem Rauchsud
variiert gekonnt den Klassiker Birnen, Bohnen und Speck. Sehr gelungen auch die
dünnflüssige, aber geschmacklich dichte Bouillabaisse. Das besagte Ei
allerdings, im Dampf gegart, leidet unter einer pappigen Kartoffel-Espuma. Für
die beträchtlichen Preise dürfte man mehr erwarten. “Good Mood Food” steht auf
den T-Shirts der Kellnerinnen. Sie selber wirken auch entspannt – vielleicht,
weil nur wenige Gäste den Weg ins Dachgeschoss des Elbspeichers finden. Wer den
Hafenblick und große Ruhe schätzt, ist im Ginn gut aufgehoben. Steakfreunde
ausgenommen; die Küche verwendet kein Fleisch.

Altona, Ginn, Di–Sa 17.30–21.30
Uhr

Michael
Allmaier

MEINE STADT


Wie das Wetter, so das Foto …


© Norbert Fliether

HAMBURGER SCHNACK

In einer Harburger Bäckerei: Ein Kunde, vielleicht Anfang
70, wird von der Verkäuferin freundlich als “junger Mann” begrüßt. Darauf
erzählt er: “Neulich war ich in der Nähe
eines Kindergartens. Sagt so eine Lütte zu mir: ›Opas sind hier nicht erlaubt.‹
So bekommt man das Alter aufs Brot geschmiert.”

Gehört von David Köndgen

DIE HEUTIGE AUSGABE ZUM VERTIEFTEN
LESEN

Ganz
schön grün

– Weniger Autos und
Parkplätze, mehr Raum für Fußgänger: Nun hat auch die SPD ihre Pläne für die
Hamburger Innenstadt präsentiert. Den Grünen kommen die Ideen bekannt vor.

Herzlich
allein
– Eine Grüne will in
Hamburg Bürgermeisterin werden – und wird nun von allen Seiten angegriffen.

Was
du weinst, das brauchst du nich’ zu pieschern (Z+) 
– Unser Autor Xaver
von Cranach hat “Großstadtrevier” geschaut – uralte und bislang noch
unveröffentlichte Folgen. Dabei stieß er auf die Erfolgsgeheimnisse der Serie.

 

 

 

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