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Donald Trumps Pressekonferenz: TV-Sender drehen ihm nach Betrugsvorwürfen Ton ab

Shepard Smith, Moderator CNBC
“Nun, wir unterbrechen hier, denn was der Präsident der Vereinigten Staaten gerade sagt, ist zu großen Teilen absolut unwahr. Und wir werden einfach nicht zulassen, dass es weiterläuft. Denn es ist nicht wahr.”

Moderator Shepard Smith macht an der Stelle mit einem Live-Faktencheck weiter, statt dass der Sender zur ebenso live übertragenen Pressekonferenz von Donald Trump zurückschaltet. Ein bemerkenswerter Vorgang. Der Präsident hatte den Presseraum des Weißen Hauses genutzt, um erneut von Wahlbetrug im großen Stil zu sprechen – ohne dafür jegliche Belege vorzulegen.

Donald Trump, US.Präsident
“Wenn man die legalen Stimmen zählt, gewinne ich locker. Wenn man die illegalen Stimmen zählt, könnten sie versuchen, uns den Sieg zu stehlen. Wenn man die Stimmen zählt, die zu spät reinkamen. Wir schauen uns das ganz genau an. Viele Stimmen kamen zu spät an.”

Die großen Sender ABC, CBS und NBC zogen alle dem Präsidenten wortwörtlich den Stecker und unterbrachen die Live-PK aus dem Weißen Haus, um dessen unbelegten Betrugsvorwürfen sofort live zu widersprechen. Was früher unvorstellbar war, scheint für Moderatoren schon gelangweilte Routine:

Brian Williams, Moderator MSNBC
“Wir sind jetzt wieder in der ungewöhnlichen Situation, den Präsidenten nicht nur zu unterbrechen, sondern ihn auch zu korrigieren. Es gibt keine illegalen Stimmen, von denen wir wissen, und es gibt auch keinen Trump-Sieg, von dem wir wissen.”

Donald Trump, US-Präsident
“Sie versuchen, die Wahl zu stehlen, die Wahl zu manipulieren.”

Andere Sender wie Fox News oder CNN zeigten zwar die gesamte Rede, doch die Reaktion von CNNs Moderator Jake Tapper im Anschluss hätte deutlicher nicht sein können. Auch er kommentierte regelrecht müde und überdrüssig:

Jake Tapper, Moderator CNN
“Was für ein trauriger Abend für die Vereinigten Staaten von Amerika – wenn wir hören, wie ihr Präsident fälschlicherweise Menschen beschuldigt, die Wahlen zu stehlen. Und die Demokratie mit diesen Unwahrheiten angreift über die Wahlen. Nur Lügen über Lügen, keinerlei Beweise “.

Donald Trump, US-Präsident
“Ich habe das vorhergesagt. Ich rede schon lange über das Briefwahlsystem. Es hat unser System kaputt gemacht.”

Die Betrugsvorwürfe des Präsidenten werden sogar schon in eigenem Lager kritisiert. So schrieb der republikanische Ex-Senator Jeff Flake aus Arizona auf Twitter:
“Kein Republikaner sollte mit den Aussagen des Präsidenten einverstanden sein. Inakzeptabel. Punkt.” Der Kongressabgeordnete Adam Kinzinger  forderte, Trump solle für seine Betrugsvorwürfe Beweise vorlegen und sie vor Gericht präsentieren. “Hören Sie auf, entlarvte Falschinformationen zu verbreiten… Das wird langsam verrückt”, schrieb er.

Was Donald Trump nicht davon abhält, die möglicherweise letzten Stunden vor seiner Wahlniederlage genau damit zu verbringen: Weitere Zweifel an dem demokratischen System zu schüren – für das er als Präsident eigentlich als Vorbild stehen sollte.

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